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MS Wappen von Köln
Beschreibung: Ja, das waren noch Zeiten. Als die Kölner und die Düsseldorfer noch jeweils ihre eigene Rheinreederei hatten, die sich seit die Regierung ihnen eine Konzession für dasselbe Fahrgebiet erteilte, so dermaßen gut leiden konnten, dass sie nicht mal davor zurückschreckten sich gegenseitig zu rammen. Dass man so auf Dauer kein Unternehmen führen konnte, zu der Einsicht kamen nach fast zwanzig Jahren Wildwest auf dem Rhein dann doch noch beide Parteien, und gründeten die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt (KD) als Dachkonzern und Schiedsrichtende Instanz. Ihre Aufgabe war vor allem, darauf zu achten dass keiner Fahrpläne aufstellt, die mit Fahrten des anderen rivalisieren, und die Einhaltung vieler weiterer Vertragsklauseln sicherzustellen. „Nicht mehr rammen!“ gehörte vermutlich auch dazu.

Zeitsprung knapp 120 Jahre vorwärts in das Deutschland der Wirtschaftswunderjahre: „Size Matters“ war zu der Zeit Frage von Prestige und Phallusvergleich, aber auch des Wiederaufbaus und der Notwendigkeit: Mit dem Aufschwung kam der Massentourismus, auch zu Schiff. Die Kölner Preußisch-Reinische Dampfschiffahrt-Gesellschaft (PRDG) und die Düsseldorfer Dampschiffahrtsgesellschaft für den Mittel- und Niederrhein (DGMN) existieren nach wie vor als eigene Firmen unter dem Dach der KD. Die Recherche dazu gestaltet sich schwierig und bringt widersprüchliche Informationen zu Tage, jedenfalls wurde die MS Rhein 1967 als letztes von vier sehr ähnlichen (aber nicht verschwesterten) Schiffen neu an die beiden Gesellschaften ausgeliefert. „Berlin“ als Vorreiter 1959, gefolgt von „Deutschland“, und „Loreley“ gehörten der DGMN, mit der „Rhein“ bekam nun auch die PRDG ein eigenes Exemplar, gebaut in Mainz statt wie ihre Vorreiter in Köln-Mülheim. Lange behalten würde sie es allerdings nicht: Am 8. Mai 1967 fand die Übernahme von der Bauwerft statt, am 16. Mai fusionierten PRDG und DGMN in der Form dass sie sich von der Köln-Düsseldorfer aufkaufen ließen.

Bei den „Big Four“ handelte es sich um Tagesausflugsschiffe – sprich, ohne Übernachtungsmöglichkeiten – um die 90 Meter Länge, (im Falle der Rhein 92,50m), die anfangs für 3000 bis 3400 Passagiere zugelassen waren – bis heute mit Abstand Rekord für Binnenschiffe in Europa. Mangels Bedarfs wurde die Zahl allerdings im Laufe ihrer Leben immer weiter bis auf zuletzt 1000 reduziert. Äußerlich gab man ihnen eine Silhouette, die die Formgebung der Raddampfer aufgriff, von denen die letzten gerade in Rente gingen. Unter anderem mit Seitenkästen an denen auch der Antrieb montiert war. Schaufelräder kamen natürlich nicht zum Einsatz, stattdessen wurden an derselben Stelle jeweils ein Voith-Schneider-Propeller eingebaut, der seinen Vortrieb, in jede gewünschte Richtung, ähnlich einem Hubschrauberrotor durch Rotation um die Hochachse und Anpassung der Blattstellung im Verlauf jeder Umdrehung erzeugte. Gerade mittschiffs eingebaut brachte das den Kolossen eine extrem gute Manövrierbarkeit bis zum Drehen auf der Stelle – unmöglich mit der traditionellen „Hinterachslenkung“ ausschließlich per Ruder. Nachteil war allerdings ein ungleich größerer Wartungsaufwand, sodass diese Schiffe die einzigen mit dieser Technik auf den Rhein blieben. Die Kraft stellte ein V12-Deutz-Motor pro Antrieb mit im Falle der „Rhein“ gut 1000 PS zu Verfügung.
Die große Bauhöhe – jedes Schiff hatte vier Decks – machten derweil weitere Griffe in die Trickkiste nötig, etwa einklappbare Antennen und einen versenkbarer Schornstein, ohne den je nach Rheinpegel nicht jede Brücke hätte passiert werden können. Die Größe machte es auch möglich, einige ansonsten Seeschiffen vorbehaltene Vorzüge einzubauen: Überdachte Promenaden entlang der Seite auf dem Oberdeck etwa; gleich mehrere Freidecks auf drei unterschiedlichen Ebenen. Auf der „Rhein“ verstärkte man die Seeschiff-Optik noch durch den Einbau von vornehmlich Bullaugenfenstern im unteren Deck.

Der Schiffstourismus ging zwar durch Konkurrenz wie Flugreisen und Freizeitparks ab den 70ern immer weiter zurück, die Big Four blieben aber solange sie fuhren die beliebtesten Schiffe in der Flotte. Ihren Flaggschiff-Status behielten sie allemal, wenn es einen Würdenträger (tot oder lebendig) zu befördern galt, war es meist eine von ihnen der man die Aufgabe übertrug.

Die Geschichte der MS Rhein selbst war (anders als bisweilen bei den anderen Dreien) weitgehend ereignislos und ist schließlich schnell erzählt: Die ersten zwei Drittel ihres Lebens – seit 1985 als „Wappen von Köln“ fuhr sie im Liniendienst im gesamten Netz der KD. Ab circa 2005 machten ihr Alter und vor allem ihre Größe sie trotz Ausflaggung nach Malta, trotz Verkauf and die KD Luxemburg, und trotz Werbelackierung zunächst für eine Biermarke und dann für eine Kölner Boulevardzeitung, zunehmend unrentabel. Neubauten in der KD-Flotte taten ihr Übriges. Ihr Revier beschränke sich fortan auf dem touristenreichen Mittelrhein zwischen Mainz und Koblenz, ihr Eponym Köln bekam sie nur noch zur Adventszeit als schwimmender Weihnachtsmarkt am Altstadtufer zu Gesicht. Zu diesem Zeitpunkt war mit der Loreley ihre erste Schwester bereits abgewrackt, die Berlin in die Niederlande verkauft, und die „Wappen von Mainz“, die ehemalige „Deutschland“, noch als Reserve für den Ausfall anderer Schiffe (der aber nicht eintrat) vorgehalten. Wahrscheinlich wäre das Ende der „Wappen von Köln“ auch in diese Zeit gefallen, wäre nicht die Bundesgartenschau in Koblenz 2011 am Horizont gewesen, für die man noch einmal Kapazität brauchte. 2011 markierte auch das Ende der Berlin, für die in Rotterdam eine Zukunft als Partyschiff vorgesehen war; nur eine Woche nach Vollendung der Renovierung brannte sie aus.

Die BUGA kam und ging, und damit auch der letzte Strohhalm für den Rest des Quartetts. 2012 wurde die „Wappen von Mainz“ abgewrackt und die „Wappen von Köln“ nach einem letzten Einsatz als Weihnachtsmarkt von der KD zum Verkauf angeboten – unter der Bedingung, dass der Nachbesitzer damit nicht auf dem lukrativen Mittelrhein der KD Konkurrenz macht. Drei Jahre wartete sie im Niehler Hafen vergeblich auf einen Käufer, 2015 wurde sie, ausgeschlachtet und auch sonst in erbärmlichem Zustand, nach 's-Gravedeel bei Dordrecht geschleppt. In der hiesigen Abbruchwerft endet mit ihrer Geschichte auch die der „Big Four“ des Rheins.

Land: Deutschland
Betrieb: Köln-Düsseldorfer
Erstbesitzer: PRDG
Hersteller: Schiffswerft Christof Ruthof, Mainz
Angeschafft: 1967
Anzahl: 1
Ausgemustert: 2012

tl;dr: Ne decke aale Pott us Kölle o'm Rhing!
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Datum: 06.11.2019 16:47
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Hinzugefügt von: Darth Sauron
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